Heute lebt der Gitarren-Virtuose wechselweise in den USA und Europa, wo er mit jedem Auftritt für Furore sorgt. Ins Studio zieht es ihn seltener, sein letztes Album erschien vor zwei Jahren und wurde prompt mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. Umso mehr dürfen sich Blues-Fans freuen, dass mit Nothin' To Lose nun endlich das neue Werk von Jim Kahr vorliegt. In Memphis aufgenommen beinhaltet es elf neue Songs (allesamt aus der Feder des singenden Gitarristen), eingespielt mit Hammondorganist Ernest Williamson, Saxofonist Andrew Love, Bassist Dave Smith, Schlagzeuger Steve Potts und den beiden Background-Sängerinnen Jackie Johnson und Reba Russell. Erneut ist es ein Album der differenzierten Töne geworden, mit dezenten Folk-Anklängen, zarten Pop-Schattierungen und natürlich einem Schwerpunkt auf den Blues der Szene von Chicago. Jim Kahr gelang souverän die Balance zwischen modernem und zeitlosem Blues. Da kann sich die Jury der deutschen Schallplattenkritik gleich wieder Gedanken machen...

Kritik / Presse

Aus Chicago stammt der Gitarrist und Sänger Jim Kahr. 

Dort war er mit knapp 20 Jahren schon Mitglied der Bobby Blue Bland Band, bevor er Legenden wie Willie Dixon, Buddy Guy, Sunnyland Slim, James Cotton, Koko Taylor oder Jimmy Rogers kennenlernte. Seinen ersten Job als Bandleader bekam er von Mundharmonika-Spieler Junior Wells, danach ging es Schlag auf Schlag und Jim Kahr wurde von so unterschiedlichen Stars wie Joe Cocker, John Lee Hooker oder Freddie King engagiert.

Auszug von
Darmstädter / Starkenburger Echo Zeitung
März 2003

"Es ist einige Jahre her, seit ich das letzte Album veröffentlicht habe, 

aber das Warten hat sich gelohnt," versichert Jim Kahr im Einleitungstext zu seinem kürzlich veröffentlichten Album. Er hat nicht zu viel versprochen - das Warten hat sich tatsächlich gelohnt.

Mit "Nothin' to Lose" hat Jim Kahr ein musikalisches Glanzstück vorgelegt, das nicht nur eingefleischte Blues-Fans begeistern wird. Obwohl tief im Chicago-Blues verwurzelt, war Jim Kahr nie ein puristischer Vertreter dieses Genres. Das neue Album ist nun noch etwas zeitgemäßer geraten. Ohne seine musikalische Herkunft zu leugnen oder gar zu verraten, hat sich Jim Kahr nun endgültig aus den Zwängen der Zwölftakt-Ideologie befreit, pendelt leichtfüßig zwischen lockerem Westcoast-Feeling und traditionellem Folksong, treibendem Soul und geradlinigem Rock. 
Mit und zwischen allen Stilen hat Jim Kahr ein Klangbild kreiert , das trotz aller Dichte stets transparent bleibt, einen eigenen, handgearbeiteten Sound, der noch individueller, noch persönlicher klingt als seine bisherigen Veröffentlichungen. "Nothin' To Lose" besticht aber vor allem durch eine unangestrengte Atmosphäre, die nicht zuletzt durch das leichte, lockere Zusammenspiel aller Instrumente geprägt wird. Und diese werden von hochkarätigen Meistern ihres Fachs bedient. Mit dem Schlagzeuger Steve Potts, dem Bassisten Dave Smith, dem Keyboarder Ernest Williamson und dem Saxophonisten Andrew Love von den legendären Memphis Horns, die bereits mit bekannten Stars wie Luther Allison, Al Green, Neil Young, Bob Dylan und Eric Clapton gearbeitet haben, hat sich Jim Kahr einige kongeniale Begleiter ins Studio geholt, die es verstehen, jedem der insgesamt elf Stücke eine schlichte Eleganz zu verleihen.

Mehr noch - mit technischer Brillanz und ausgeprägter Feinsinnigkeit für die individuelle Stimmung jedes einzelnen Songs gießen sie das musikalische Fundament, auf dem Jim Kahrs geschmeidiges, filigranes Gitarrenspiel sicher wandeln kann. Und einmal mehr beweist Kahr, dass er mit Fug und Recht zu den Ausnahmegitarristen nicht nur seines angestammten Genres gehört. 

Ob in dem kraftvoll voranschreitenden Opener "Big City Struggle", der melancholischen Ballade "Wonderin' Why", oder dem beschwingt tänzelnden Titelstück "Nothin' To Lose" - Jim Kahr beherrscht die E-Gitarre ebenso bravourös wie die akustische Gitarre. Dass er darüber hinaus auch noch über eine ordentliche Portion Humor verfügt, zeigt sich in dem, mit munterem Flat-Picking unterlegten "Keepin' It Hot". 

Die enorme Anziehungskraft dieses Albums ist aber nicht zuletzt das Verdienst eines Mannes - Jim Gaines, der sich bereits als Produzent von Santana, Huey Lewis, Stevie Ray Vaughn und The Doobie Brothers, um nur einige zu nennen, einen Namen gemacht hat. Mit viel Gespür für Jim Kahrs Eigenarten und persönliche Ausdrucksformen, hat er die Regie für ein Album übernommen, dessen melodischer Tiefgang sorgfältig ausgelotet sein will. 

Von Brigitte Bärenz

 

Auszug von
Mannheimer Morgen
24.10.2002

Jim Kahr nahm neue CD in Memphis auf

Nimm die Besten und du kriegst das Beste: Frei nach dieser Devise hat der Wahl-Kurpfälzer Jim Kahr sein neues Album „Nothin´to lose“ in Memphis eingespielt – in den legendären Ardent Studios (bekannt durch Robert Cray), mit dem Produzenten Jim Gaines (bekannt durch Santana), und mit den Blues-Cracks Dave Smith (einen Monster-Bassisten), dem Drummer Steve Potts (einem Wunder an Dynamik) und Ernest Williamson (einem subtilen Klangfarbenmischer an der Hammondorgel).

Entstanden ist bei den Sessions eine erstklassige, kraftvolle Blues-Scheibe auf der Höhe der Zeit. Denn Jim Kahr motzt den alten Zwölftakter mit Soul-Harmonien, Funk-Rhythmen und Rock-Riffs gehörig auf. Wie er dabei auch zarte Folk-Stimmungen und sperrige Songstrukturen einfließen lässt, das zeichnet ihn als kreativen Querkopf aus. Mit gegerbter Stimme intoniert er starke Songs von Verlieren, Hoffnungslosen und Einsamen, beseelt sie aber mit einem trotzigen Willen zum Weitermachen. Und das der Mann ein Gitarrist der Extraklasse ist, kriegt man hier mit geschliffen scharfen Soli zu hören. – in einer vollendeten Produktion, deren superbe Qualität sich aber erst beim zweiten Hinhören vollends erschließt (inakustik).

Georg Spindler (Mannheimer Morgen) 

 

Auszug von
Mannheimer Morgen 
12.12.2002

Jim Kahr: Ständig unterwegs im Namen des Blues 

Der Gitarrist aus Chicago stellt sein neues Album in der Mannheimer Feuerwache vor.

Mannheim. Irgendwie gehört Jim Kahr immer noch zur Mannheimer Musikszene, auch wenn er schon seit einer Dekade nicht mehr hier lebt. 1992, nach 15 Jahren in der Quadratestadt, ging er dorthin zurück, wo er hergekommen war: "Back To Chicago" nannte er damals ein Album lakonisch.

Doch Mannheim ist er verbunden geblieben, stets zur Weihnachtszeit kommt er auf ein Gastspiel. Und diesmal hat er eine neue CD im Gepäck, die ihm viel verdientes Kritikerlob bescherte: "Nothin' To Lose" wurde in Memphis aufgenommen, einem der geschichtsträchtigsten Musikmekkas der USA.

Das Bild auf dem Cover indes, das den Gitarristen vor einem verrotteten Eisenbahnwaggon zeigt und das so authentisch nach Tennessee ausschaut, daß es auch Amerikaner täuscht - es entstand im Odenwald. "Dieser Platz dort sollte unter Denkmalschutz gestellt werden", grinst Jim Kahr und erzählt, derartige Bestrebungen gebe es tatsächlich.

Kahrs Bio klingt wie aus dem Lehrbuch: "Ich spielte mit allen Bluesern, die Rang und Namen hatten: Freddie King, Jimmy Rogers, Willie Dixon, Buddy Guy." Mit der Combo von Bobby Blue Bland tourte er quer durch die Staaten. "Das war eine Band, die nie nach Hause kam, wir waren ständig unterwegs. Ich war der einzige Weiße unter lauter Schwarzen, und bei einem Auftritt in Midland, Texas, postierten sich die State Troopers - große, bullige weiße Kerle - mit ihren Gewehren links und rechts von mir auf der Bühne: Die glaubten allen Ernstes, mich beschützen zu müssen." Tja, Texas!

Das war Anfang der Siebziger. In der Folgezeit nahm Kahr Platten auf mit Leuten wie Charlie Musselwhite, Joe Cocker oder John Lee Hooker. Der engagierte ihn direkt von der Bühne herunter fürs Studio: "Er fragte mich: Willst du ein Album mit mir aufnehmen? Gerne. Wann? Morgen." Ja, der Blues ist eine spontane Geschichte.

Für "Nothin' To Lose" hat sich Jim Kahr mit dem Produzenten Jim Gaines zusammengetan, der schon mit Stevie Ray Vaughan, Huey Lewis, oder Carlos Santana gearbeitet hatte. "Jim versteht sich darauf, die Gitarre in den Vordergrund zu stellen, das ist mir wichtig. Und ich wollte einen modernen Sound." Zwei Wochen dauerten die Aufnahmen: "Jeden Tag zwölf Stunden von Mittag bis Mitternacht. Ohne Pause. Höchstens mal für ein Bier." mik

© Mannheimer Morgen – 12.12.2002

 

Auszug von  
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Kundenrezension
Durchschnittliche Kundenbewertung: 

"Mein Klassiker", 19. November 2002 
Rezensentin/Rezensent: Rezensentin/Rezensent aus Neustadt Deutschland 
Nach längerer "Pause" hat er wohl kaum etwas verloren, aber noch dazugewonnen: als tief im Chicago-Blues verwurzelter Weltklassegitarrist und Sänger - der u.a. auch stimmlich mit dieser CD wieder beweisst, dass nur der Blues singen kann, der im Leben und vom Leben 'weiss', und mit den Jahren gereift ist - hat Jim Kahr mit neuen Songs und neuen Spitzenmusikern an seiner Seite eine eindrucksvolle Mischung aus schnellen Boogierhythmen bis hin zu Slowblues-Balladen produziert. Aber er hat den Schritt gewagt, dem klassischen Bluesthema frischen Wind hineinzubringen, indem fast alle Titel auch mit und von Elementen aus Pop und Rock leben ohne dabei zusammengeschustert oder anbieterisch zu wirken. Dennoch könnte ich mir manchen jungen Pophörer vorstellen, dem das auch gefallen würde - und was wäre schlecht daran? Wenn ich auch mehr auf den langsameren, den gefühlvollen Balladen stehe (wen beschleicht nicht beim Hören von "Hurtin' in the morning" das Gefühl, selbst gemeint zu sein und sieht sich nicht selbst am Bettrand sitzen 'danach'),begeistert mich z.B. der Titelsong mit seinem treibenden Rhythmus, dieses für Kahr so typische kraftvolle "walking", oder auch "Keeping it hot" heizt so ein, wie der Titel sagt. Für mich ist das eine CD ohne einen schwachen Titel, sie muss man nicht kaufen wegen einem Hit, sondern jeder Titel ist allein den Kauf schon wert. Und den 100% Bluestraditonalisten sei gesagt, dass Tradition nur dort überlebt, wo sie auch Neues akzeptiert. Kahr ist es meiner Meinung nach mit dieser CD 100% gelungen !

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